ASTM-Werkstoffe 4 Min. Lesezeit
ASTM B117 Salzsprühtest Norm: Durchführung, Bewertung und Prüfbericht
Die ASTM B117 ist die weltweit am häufigsten zitierte Norm für Salzsprühtests. Erfahren Sie, wie Sie die Prüfung korrekt ansetzen, bewerten und dokumentieren – inklusive typischer Fehlerquellen und Grenzen der Aussagekraft.
Die ASTM B117 Salzsprühtest Norm ist das Rückgrat vieler Korrosionsprüfungen in Industrie und Labor. Sie definiert, wie metallische und beschichtete Werkstoffe einer definierten Salznebel-Atmosphäre ausgesetzt werden, um ihre Beständigkeit zu vergleichen. Für Qualitätssicherung und Entwicklung ist es entscheidend, die Anforderungen präzise zu kennen – von der Probenvorbereitung bis zur Bewertung im Prüfbericht. Dieser Beitrag gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über die zentralen Parameter und Fallstricke.
Prüfaufbau und Kammeranforderungen
Die Norm schreibt eine geschlossene Prüfkammer vor, die eine gleichmäßige Verteilung des Salznebels gewährleistet. Die Kammer muss so konstruiert sein, dass keine Kondensattropfen auf die Proben fallen – das würde die Ergebnisse verfälschen. Die Salzlösung besteht aus 5 % Natriumchlorid (NaCl) in entmineralisiertem Wasser, mit einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7,2 bei 35 °C. Der pH-Wert muss vor jedem Lauf geprüft und im Prüfbericht dokumentiert werden.
Die Temperatur im Prüfraum beträgt konstant 35 °C ± 2 °C. Die Zerstäuberdüsen erzeugen einen feinen Nebel, der die Proben gleichmäßig benetzt. Die Abtropfrate der Lösung muss zwischen 1,0 und 2,0 ml pro Stunde und 80 cm² Sammelfläche liegen – gemessen über mindestens 16 Stunden. Nur wenn diese Rate stimmt, ist die Korrosionsbelastung reproduzierbar.
Probenvorbereitung und Positionierung
Die Proben müssen sauber und fettfrei sein, da Rückstände die Korrosion lokal beeinflussen. Empfohlen wird eine Reinigung mit Ethanol oder Aceton, gefolgt von einer Trocknung im Exsikkator. Die Probenoberfläche darf nicht mit bloßen Fingern berührt werden – Handschuhe sind Pflicht.
Die Positionierung in der Kammer erfolgt in einem Winkel von 15° bis 30° zur Senkrechten. Die Proben dürfen sich nicht gegenseitig berühren oder abschirmen. Metallische Halterungen müssen elektrisch isoliert sein, um Kontaktkorrosion zu vermeiden. Jede Probe muss eindeutig beschriftet sein, idealerweise mit einem säurefesten Marker.
Durchführung: Dauer und Dokumentation
Die Prüfdauer wird nicht in der Norm festgelegt, sondern richtet sich nach der Spezifikation des zu prüfenden Bauteils. Übliche Zeiten sind 24, 48, 96, 240 oder 500 Stunden. Die Norm verlangt, dass die Kammer während des Laufs nur zu Kontrollzwecken geöffnet wird – jede Öffnung ist zu protokollieren.
Während der Prüfung sind folgende Parameter regelmäßig zu erfassen:
- Temperatur in der Kammer (mindestens zweimal täglich)
- pH-Wert der gesammelten Lösung (bei jedem Wechsel)
- Abtropfrate an definierten Sammeltrichtern
- Sichtprüfung der Proben auf ungewöhnliche Ablagerungen
Alle Messwerte fließen in den Prüfbericht ein. Die Norm fordert, dass Abweichungen von den Sollwerten sofort zu korrigieren sind – andernfalls ist der Lauf ungültig.
Bewertung der Ergebnisse nach ASTM B117
Die ASTM B117 selbst gibt keine Bewertungskriterien vor – sie definiert nur die Prüfbedingungen. Die Bewertung erfolgt anhand separater Normen wie ASTM D1654 (Bewertung von Unterwanderung) oder ISO 4628-3 (Bewertung von Rostgrad). Für die Praxis bedeutet das: Sie müssen im Prüfbericht festlegen, welche Kriterien als „bestanden“ gelten – zum Beispiel maximal 5 % Rostfläche oder keine Blasenbildung größer als 2 mm.
Die Sichtbewertung erfolgt unmittelbar nach dem Entnehmen und nach einer Trocknungszeit von 1 Stunde. Fotos sind obligatorisch, idealerweise mit Maßstab und Farbreferenz. Die Dokumentation umfasst auch die Art der Ablagerungen – etwa weiße Korrosionsprodukte bei Zink oder rote bei Stahl.
Typische Fehlerquellen und wie Sie sie vermeiden
Die häufigsten Fehler in der Praxis sind:
- Unsaubere Probenoberflächen – führen zu lokaler Korrosion und verfälschen das Gesamtbild.
- Falsche Salzkonzentration – zu hoher NaCl-Gehalt beschleunigt die Korrosion unnatürlich.
- Ungleichmäßige Nebelverteilung – durch verstopfte Düsen oder falsche Kammerbeladung.
- Unzureichende pH-Kontrolle – der pH-Wert driftet bei langer Laufzeit ab.
- Fehlende Referenzproben – ohne bekannten Standard lässt sich ein Lauf nicht validieren.
Um diese Fehler zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Kammer regelmäßig zu warten und eine interne Kalibrierprobe mitzuführen. Nur so sind Ergebnisse zwischen verschiedenen Laboren vergleichbar.
Grenzen der Aussagekraft und Praxisbezug
Die ASTM B117 Salzsprühtest Prüfnorm Korrosionsprüfung ist ein beschleunigter Test, der nicht direkt auf reale Umweltbedingungen übertragbar ist. Sie eignet sich vor allem für den relativen Vergleich von Beschichtungen oder Werkstoffen unter definierten Bedingungen. Ein absoluter Korrosionsschutz kann daraus nicht abgeleitet werden.
Für die Produktfreigabe in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die ASTM B117 häufig in Kombination mit zyklischen Tests wie der DIN EN ISO 9227 eingesetzt. Diese Normen ergänzen sich, da zyklische Tests Feuchte-Trocken-Phasen realistischer abbilden. Im Prüfbericht sollten Sie daher immer angeben, welche Zusatznormen zur Bewertung herangezogen wurden.
Fazit: Der Prüfbericht als Kernstück
Ein aussagekräftiger Salzsprühtest nach ASTM B117 Prüfbericht Anforderungen enthält mindestens: Kammerparameter, Lösungsdaten, Probenidentifikation, Expositionszeit, Bewertungskriterien und Fotos. Ohne diese Angaben ist der Test nicht reproduzierbar und rechtlich anfechtbar. Investieren Sie Zeit in eine saubere Dokumentation – sie ist die Grundlage für zuverlässige Qualitätsentscheidungen.
Die Norm ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Wer die Grenzen kennt und die Parameter diszipliniert einhält, erhält belastbare Vergleichsdaten für die Praxis. Nutzen Sie die ASTM B117 als Teil Ihres Korrosionsprüfprogramms – aber verlassen Sie sich nicht allein auf sie.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Salzsprühtest nach ASTM B117?
Die ASTM B117 legt keine feste Dauer fest. Übliche Zeiten sind 24, 48, 96, 240 oder 500 Stunden, abhängig von der Produktspezifikation und den erwarteten Korrosionsanforderungen.
Welche Bewertungskriterien gelten bei ASTM B117?
Die Norm selbst gibt keine Bewertungskriterien vor. Sie müssen separate Normen wie ASTM D1654 oder ISO 4628-3 anwenden und im Prüfbericht festlegen, ab welchem Rostgrad oder Blasengrad die Prüfung als bestanden gilt.
Ist ASTM B117 mit der DIN EN ISO 9227 identisch?
Nein, die ASTM B117 ist eine US-amerikanische Norm, während die DIN EN ISO 9227 die europäische Entsprechung ist. Beide sind ähnlich, unterscheiden sich aber in Details wie Probenhalterung und pH-Messung. Für den EU-Markt ist die ISO-Variante oft gefordert.