ISO-Normen 5 Min. Lesezeit
Welche Fragen stellt ein VDA-6.3-Prozessaudit? Checkliste
Diese Checkliste zeigt, welche Nachweise Auditoren im VDA-6.3-Prozessaudit typischerweise sehen wollen. Im Mittelpunkt stehen P2 bis P7, Prozessfähigkeit, Änderungslenkung und die wirksame Bearbeitung von Abweichungen.
Welche Fragen stellt ein VDA-6.3-Prozessaudit? Checkliste
Diese Checkliste eignet sich für kundenseitige Prozessaudits, interne Systemprüfungen und die VDA 6.3 Auditvorbereitung QS. Sie beantwortet die Frage: welche fragen stellt ein vda-6.3-prozessaudit? Entscheidend sind nicht nur vorhandene Dokumente, sondern belastbare Nachweise aus dem tatsächlichen Prozess.
1. Auditumfang und Prozessverantwortung festlegen
Vor dem Audit muss klar sein, welcher Produkt- und Prozessumfang geprüft wird. Der Auditplan nennt mindestens Standort, Fertigungsbereich, Produktfamilie, Schichtmodell, relevante Kundenanforderungen und die einbezogenen Prozesselemente P2 bis P7.
Checkliste zum Einstieg
- Ist der Prozessumfang abgegrenzt? Bestanden ist die Prüfung, wenn Wareneingang, Fertigungsstationen, Prüfungen, Nacharbeit, Lagerung und Versand eindeutig dem Auditumfang zugeordnet sind.
- Sind Prozessverantwortliche benannt? Für jedes Prozesselement muss eine fachlich zuständige Person mit Stellvertretung verfügbar sein.
- Sind kundenspezifische Anforderungen ermittelt? Bestanden ist die Prüfung, wenn CSR, Zeichnungen, Spezifikationen, Prüfpläne und besondere Merkmale in einer aktuellen Anforderungsliste verknüpft sind.
- Sind offene Maßnahmen aus früheren Audits bewertet? Zu jeder Maßnahme müssen Verantwortlicher, Termin, Ursachenanalyse und Wirksamkeitsnachweis vorliegen.
- Ist der Auditstand eindeutig? Verwendet werden müssen die zutreffende Ausgabe des VDA-Bands 6.3, die gültige interne Frageliste und der freigegebene Auditplan.
Der VDA 6.3 Fragenkatalog 2023 ist dabei nur die Bewertungsgrundlage. Die konkrete Prüfung muss zusätzlich die kundenspezifischen Anforderungen und den realen Fertigungsablauf abbilden.
2. P2 und P3: Projekt, Produkt und Lieferanten prüfen
In P2 und P3 geht es darum, ob Anforderungen frühzeitig übernommen und in beherrschbare Prozessvorgaben übersetzt wurden. Auditoren fragen häufig, wo aus Kundenanforderungen konkrete Prüfmerkmale, Kapazitätsannahmen und Freigaben entstanden sind.
- Sind Kundenanforderungen vollständig bewertet? Der Nachweis besteht aus Anforderungsmatrix, Lastenheftprüfung oder dokumentierter Vertragsprüfung mit Verantwortlichem und Freigabestatus.
- Sind besondere Merkmale gekennzeichnet? Zeichnung, FMEA, Control Plan, Arbeitsplan und Prüfmittelunterlagen müssen dieselbe Kennzeichnung verwenden.
- Ist die Produkt- und Prozess-FMEA aktuell? Bestanden ist die Prüfung, wenn Risiken aus Reklamationen, Änderungen, Ausschuss und Prozessdaten eingearbeitet sind und Maßnahmen termingerecht verfolgt werden.
- Sind Lieferanten freigegeben? Für kritische Zukaufteile müssen Freigabestatus, Lieferantenbewertung, Wareneingangsprüfung und Eskalationsregeln nachvollziehbar sein.
- Sind Entwicklungs- und Bemusterungsfreigaben vollständig? Erforderlich sind je nach Kundenforderung unter anderem Erstmusterprüfbericht, IMDS-Nachweis, Prüfplan, Messberichte und dokumentierte Abweichungsgenehmigungen.
Ein typischer Auditfehler ist die formale Freigabe ohne Rückkopplung in die Fertigung. Die Frage lautet deshalb nicht nur, ob eine FMEA existiert, sondern ob ihre Maßnahmen in Arbeitsanweisungen, Prüfplänen und Schulungen angekommen sind.
3. P4: Lieferanteneingang und Prozessplanung nachweisen
P4 verbindet die Lieferkette mit der eigenen Prozessplanung. Besonders kritisch sind freigegebene Lieferanten, Prüfmerkmale, Materialstatus und die Reaktion auf fehlerhafte Anlieferungen.
- Ist der Wareneingang risikobasiert geregelt? Der Prüfplan muss Merkmal, Prüfumfang, Prüfmittel, Stichprobe und Reaktionsplan nennen.
- Sind Material und Status eindeutig? Bestanden ist die Prüfung, wenn gesperrte, freigegebene und noch nicht geprüfte Ware physisch oder im ERP-System verwechslungssicher getrennt sind.
- Werden Lieferantenabweichungen wirksam bearbeitet? Zu einer Abweichung gehören Fehlerbeschreibung, Sofortmaßnahme, Ursachenanalyse, 8D-Bericht oder gleichwertige Methode und Wirksamkeitsprüfung.
- Sind Kapazitäten nachgewiesen? Die Kapazitätsbetrachtung muss Maschinen, Personal, Schichtmodell, Ausschuss, Rüstzeiten und geplante Spitzenmengen berücksichtigen.
- Sind Prüf- und Messmittel verfügbar? Für jedes freizugebende Merkmal muss ein geeignetes, kalibriertes oder überwacht verwendetes Prüfmittel bereitstehen.
4. P5 und P6: Fertigungsprozess, Prüfungen und Prozessfähigkeit
P5 und P6 bilden den Schwerpunkt vieler Kundenaudits. Der Auditor verfolgt häufig ein Teil oder einen Auftrag vom Materialeingang bis zur Endprüfung und vergleicht Vorgabe, tatsächliche Durchführung und Ergebnis.
- Sind Arbeits- und Prüfanweisungen am Arbeitsplatz aktuell? Dokumentnummer, Revision und Freigabestatus müssen mit dem gelenkten Dokument übereinstimmen.
- Werden qualitätsrelevante Prozessparameter überwacht? Grenzwerte, Häufigkeit, Verantwortlicher und Reaktion bei Grenzwertverletzung müssen festgelegt sein.
- Sind Erstteil-, Zwischen- und Letztteilprüfungen dokumentiert? Das Protokoll muss Teil, Auftrag, Zeitpunkt, Merkmale, Ergebnis und Freigabe eindeutig zuordnen.
- Ist die Prozessfähigkeit belegt? Für statistisch geeignete Merkmale sind mindestens Datengrundlage, Verteilungsannahme, Spezifikationsgrenzen und Berechnung von Cm/Cmk oder Cp/Cpk zu dokumentieren.
- Werden Fähigkeitswerte gegen Kundenforderungen bewertet? Als häufige Zielgröße gilt Cpk ≥ 1,33; strengere kundenspezifische Vorgaben, etwa Cpk ≥ 1,67 bei besonderen Merkmalen, gehen vor.
- Sind Messsysteme geeignet? Eine MSA beziehungsweise Messmittelfähigkeitsuntersuchung muss zeigen, dass Auflösung, Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit für das Merkmal ausreichen.
- Ist die Rückverfolgbarkeit funktionsfähig? Bestanden ist die Prüfung, wenn Charge, Maschine, Schicht, Prüfstatus und gegebenenfalls Bediener bis zum ausgelieferten Produkt nachvollziehbar sind.
- Ist Fehlerware gesichert? Sperrlager, Kennzeichnung, Buchung, Nacharbeitsfreigabe und erneute Prüfung müssen praktisch vorgeführt werden können.
Die Bewertung eines einzelnen Nachweises ersetzt keine Prozessbeobachtung. Ein ausgefülltes Formular ohne tatsächliche Reaktion bei Grenzwertverletzung ist im Audit kein belastbarer Wirksamkeitsnachweis.
5. P7: Kundenbetreuung, Reklamation und Verbesserung
P7 prüft, ob der Prozess nach der Auslieferung weiter überwacht wird. Dazu gehören Reklamationen, Rückmeldungen aus dem Feld, Lieferperformance, Änderungsmanagement und Lessons Learned.
- Werden Reklamationen fristgerecht bearbeitet? Die Akte muss Eingang, Sofortmaßnahme, Ursachenanalyse, Abstellmaßnahme, Verantwortliche und Wirksamkeitsdatum enthalten.
- Sind Reklamationsdaten mit FMEA und Control Plan verknüpft? Wiederholfehler müssen zu einer dokumentierten Aktualisierung der Risikobewertung oder Prozesskontrolle führen.
- Werden Leistungskennzahlen bewertet? Mindestens Ausschuss, Nacharbeit, Reklamationsquote, Liefertermintreue und Prozessfähigkeit müssen mit Zielwert, Trend und Maßnahme vorliegen.
- Sind Änderungen gelenkt? Vor Umsetzung müssen technische Bewertung, Kundenfreigabe, Risikoanalyse, Bemusterung und Umstellungszeitpunkt dokumentiert sein.
- Sind Lessons Learned verfügbar? Relevante Erkenntnisse müssen auf vergleichbare Produkte, Linien oder Standorte übertragen und dort auf Umsetzung geprüft werden.
Das Prozessaudit P2 bis P7 VDA 6.3 ist damit kein reiner Rundgang durch die Produktion. Es verbindet Projektunterlagen, Lieferantensteuerung, Fertigungsdaten und Kundenrückmeldungen zu einer durchgängigen Nachweiskette.
6. Bewertungslogik und Auditunterlagen vor dem Termin prüfen
Für die letzte Vorbereitung empfiehlt sich eine dokumentenbasierte Stichprobe mit anschließendem Rundgang. Die Antworten müssen am Arbeitsplatz, im ERP- oder CAQ-System und in den gelenkten Dokumenten übereinstimmen.
- Fragenbewertung geprüft? Die VDA-6.3-Bewertung erfolgt typischerweise mit den Stufen 0, 4, 6, 8 und 10; die Begründung muss zum vorgelegten Nachweis passen.
- Gesamtergebnis berechnet? Die Einstufung erfolgt prozentual; als übliche Schwellen gelten A ab 90 %, B von 80 % bis unter 90 % und C unter 80 %.
- Abweichungen priorisiert? Jede Lücke erhält Risiko, Sofortmaßnahme, Verantwortlichen, Termin und Wirksamkeitskriterium.
- Stichprobe vorbereitet? Bereitzulegen sind mindestens Auftragspapiere, Prüfprotokolle, FMEA, Control Plan, Arbeitsanweisungen, Kalibrierstatus, Schulungsmatrix, Reklamationsakten und Änderungsfreigaben.
- Mitarbeiter interviewfähig? Beschäftigte müssen die für ihren Arbeitsplatz geltenden Merkmale, Grenzwerte, Sperrprozesse und Eskalationswege erklären können.
Wer sich fragt, welche fragen stellt ein vda-6.3-prozessaudit?, sollte deshalb nicht nur Antworten sammeln. Entscheidend ist, ob sich jede Aussage durch einen aktuellen Datensatz, eine Beobachtung oder ein nachvollziehbares Gespräch bestätigen lässt.
Fazit: Nachweisführung als durchgängige Kette
Ein belastbares VDA-6.3-Audit entsteht aus der Verbindung von Anforderung, Risiko, Prozessvorgabe, Messwert und Reaktion. Prüfen Sie P2 bis P7 mit realen Aufträgen und verknüpfen Sie Abweichungen bis zur Wirksamkeitskontrolle. So wird die Auditvorbereitung zur belastbaren QS-Prüfung statt zur kurzfristigen Dokumentensammlung.
Wichtige Fakten
Maschinenlesbare Aussagen aus den oben genannten Quellen. Jeder Fakt behält in allen sechs Sprachfassungen dieselbe Kennung.
P2 bis P7
Der VDA-6.3-Prozessumfang für die Lieferanten- und Fertigungsbewertung umfasst typischerweise die Prozesselemente P2 bis P7.
Fakten-ID:
prozesselemente_p2_p7Cpk ≥ 1,33
Als häufige Zielgröße für geeignete statistische Merkmale gilt ein Cpk von mindestens 1,33.
Fakten-ID:
faehigkeitsziel_cpkCpk ≥ 1,67
Für besondere Merkmale können strengere Kundenanforderungen wie Cpk ≥ 1,67 gelten.
Fakten-ID:
sondermerkmale_cpk0, 4, 6, 8 und 10
Die typische VDA-6.3-Bewertung verwendet die Punktstufen 0, 4, 6, 8 und 10.
Fakten-ID:
vda_bewertungsstufenA ab 90 %, B ab 80 %, C unter 80 %
Die übliche Gesamteinstufung lautet A ab 90 %, B von 80 % bis unter 90 % und C unter 80 %.
Fakten-ID:
audit_klassifizierung
Häufig gestellte Fragen
Welche Unterlagen sind für ein VDA-6.3-Prozessaudit besonders wichtig?
Typischerweise werden Prozess-FMEA, Control Plan, Arbeits- und Prüfanweisungen, Prüfprotokolle, Messmittelstatus, Schulungsmatrix, Lieferantenbewertungen, Reklamationsakten und Änderungsfreigaben benötigt.
Welche Prozessfähigkeitswerte werden im VDA-6.3-Audit erwartet?
Häufig gilt Cpk ≥ 1,33 als Zielwert; bei besonderen Merkmalen können Kunden Cpk ≥ 1,67 oder andere Werte fordern. Maßgeblich sind die vereinbarten Spezifikationen.
Was bedeutet die Bewertung A, B oder C?
Als übliche VDA-6.3-Schwellen gelten A ab 90 %, B von 80 % bis unter 90 % und C unter 80 %. Kundenspezifische Bewertungsregeln können abweichen.