ASTM-Werkstoffe 5 Min. Lesezeit
DIN EN 1090-2 EXC3: Checkliste für Tragwerksbauteile
Bauaufsichtsbehörden und Prüfingenieure erwarten bei EXC3-Bauteilen ab 2026 eine lückenlose Nachweiskette. Diese Checkliste zeigt, welche Unterlagen, Prüfungen und Freigaben vor Fertigung, Montage und Übergabe vorliegen müssen.
Bei Hochbauten mit hoher Schadensfolge wird die Dokumentation ab 2026 vielerorts früher und vollständiger geprüft. Die folgende Checkliste für din en 1090-2 exc3 tragwerksbauteile dokumentation ist für Stahlbauer, Tragwerksplaner, Schweißaufsicht, Prüfingenieure und Bauleiter in Deutschland, Österreich und der Schweiz gedacht. Sie ersetzt weder die projektbezogene Ausführungsspezifikation noch die nationalen baurechtlichen Vorgaben.
1. Projektgrundlagen und Ausführungsklasse
- EXC3 festlegen und begründen: Die Ausführungsklasse muss in Statik, Ausführungsunterlagen oder Ausführungsspezifikation eindeutig genannt sein. Abgleich mit DIN EN 1090-2, Abschnitt 4.1 und Anhang B; maßgeblich sind unter anderem Versagensfolge, Nutzung und Beanspruchung.
- Grenzen des Lieferumfangs klären: Der Dokumentenindex muss Stahlbauteile, Schweißteile, Schraubverbindungen, Korrosionsschutz, Montage und gegebenenfalls Verbund- oder Anschlussdetails erfassen. Fremdleistungen benötigen eine definierte Schnittstelle und einen benannten Nachweisverantwortlichen.
- Ausführungsspezifikation freigeben: Werkstoffgüten, Erzeugnisformen, Dicken, Schweißnahtklassen, Toleranzen, Schraubengarnituren, Oberflächenvorbereitung, Beschichtung und Prüfplan müssen vor Fertigungsbeginn feststehen. Änderungen sind versionsgeführt zu genehmigen.
- Normenstand dokumentieren: Im Deckblatt stehen Ausgabe und Ergänzungen von DIN EN 1090-2, DIN EN 1090-1, den einschlägigen Eurocodes sowie der verwendeten Schweiß- und Beschichtungsnormen. Ein pauschaler Verweis auf „gültige Normen“ ist nicht ausreichend.
Die Unterlage Stahlbau Ausführungsnachweise Bauaufsicht Vorlage sollte deshalb nicht nur Zeichnungen enthalten. Für die Prüfung muss erkennbar sein, welcher Nachweis zu welchem Bauteil, welcher Schweißnaht und welchem Fertigungslos gehört.
2. Werkstoffe, Rückverfolgbarkeit und CE-Unterlagen
- Werkstoffzeugnisse prüfen: Für tragende Stahlerzeugnisse sind die geforderte Stahlsorte, Lieferbedingung, Dicke und der Zeugnisstatus nach DIN EN 10204 zu kontrollieren. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen ist die Zuordnung vom Zeugnis bis zur Einbaulage nachzuweisen.
- Chargenrückverfolgung sichern: Wärme- oder Chargennummern müssen auf Material, Zuschnitt, Bauteil und Prüfprotokoll zusammenpassen. Übertragene Kennzeichnungen sind gegen Verwechslung und Verlust beim Strahlen oder Beschichten zu schützen.
- Produktmerkmale abgleichen: Materialzeugnis, Bestellung, Zeichnung und Ausführungsspezifikation müssen bei Streckgrenze, Kerbschlagarbeit, Zähigkeit, Abmessungen und Oberflächenzustand übereinstimmen. Abweichungen benötigen eine technische Bewertung und Freigabe.
- CE-Kette prüfen: Bei einem Bauprodukt nach harmonisierter Norm sind Leistungserklärung, CE-Kennzeichnung, Zertifikat der werkseigenen Produktionskontrolle und die Herstellerangaben zu prüfen. DIN EN 1090-1 betrifft die Konformitätsbewertung; DIN EN 1090-2 legt die technischen Ausführungsanforderungen für Stahl fest.
Die CE-Kennzeichnung ersetzt nicht die bauteilbezogene Dokumentation. Sie bestätigt insbesondere nicht automatisch die richtige EXC3-Zuordnung, die ausreichende Schweißnahtprüfung oder die Einhaltung der Montagevorgaben.
3. Schweißtechnik und qualifiziertes Personal
- WPS vollständig freigeben: Für jede relevante Nahtart müssen Schweißanweisung, Grundwerkstoffgruppe, Nahtgeometrie, Schweißprozess, Zusatzwerkstoff, Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur, Wärmeeinbringung sowie zulässige Schweißposition festgelegt sein. Bezugspunkt ist DIN EN ISO 15609-1.
- WPQR zuordnen: Die Verfahrensprüfung nach DIN EN ISO 15614-1 muss Werkstoffgruppe, Dickenbereich, Prozess und Nahtart der tatsächlichen Fertigung abdecken. Geltungsbereiche dürfen nicht durch pauschale Verweise erweitert werden.
- Schweißerqualifikation prüfen: Für manuelle und teilmechanisierte Tätigkeiten ist eine gültige Qualifikation nach DIN EN ISO 9606-1 erforderlich. Prozess, Werkstoffgruppe, Nahtart, Position und Gültigkeit müssen zur WPS passen.
- Schweißaufsicht benennen: Für EXC3 ist eine verantwortliche Schweißaufsicht mit dokumentierter Aufgaben- und Vertretungsregelung erforderlich. Die Qualifikation und Einbindung richten sich nach DIN EN ISO 14731.
- Qualitätsanforderungen nachweisen: Für EXC3 ist regelmäßig ein Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 3834-2 erforderlich. Interne Vorgaben müssen unter anderem Prüfmittel, Schweißzusatzstoffe, Wärmebehandlung, Reparaturen und Nichtkonformitäten abdecken.
Beim Punkt EN 1090-2 EXC3 WPQR WPS Nachweise Prüfen ist die reine Existenz einer WPS nicht genug. Entscheidend ist die belastbare Kette aus Fertigungszeichnung, Nahtnummer, WPS, WPQR, Schweißer und Schweißprotokoll.
4. Fertigung, Prüfung und Nichtkonformitäten
- Fertigungsfreigabe erteilen: Vor dem ersten Zuschnitt müssen freigegebene Zeichnungen, Materialstatus, WPS, Prüfplan und Messmittel bereitstehen. Gesperrte oder veraltete Dokumente dürfen an der Arbeitsstation nicht verfügbar sein.
- Prüfplan mit Haltepunkten führen: Der Prüf- und Überwachungsplan muss Wareneingang, Zuschnitt, Nahtvorbereitung, Heftung, Schweißen, Maßkontrolle, zerstörungsfreie Prüfung, Beschichtung und Endabnahme abdecken. Für jeden Prüfschritt sind Prüfer, Methode, Umfang und Annahmekriterium angegeben.
- Schweißnahtprüfung nachweisen: Sichtprüfung, Oberflächenprüfung und volumetrische Prüfung werden nach dem in DIN EN 1090-2, Abschnitt 12, festgelegten beziehungsweise projektspezifisch verschärften Umfang dokumentiert. Die Ergebnisse müssen Nahtnummer, Prüfer, Verfahren, Datum und Befund enthalten.
- Geometrie bewerten: Nach DIN EN 1090-2, Abschnitt 11, sind die geforderten Herstellungs- und Funktionstoleranzen zu prüfen. Messwerte werden mit Bezug auf Bauteilachse, Anschlussgeometrie und Montagezustand eingetragen; „i. O.“ ohne Messbezug ist bei kritischen Abweichungen nicht belastbar.
- Abweichungen sperren: Jede Nichtkonformität erhält eine eindeutige Nummer, Beschreibung, Ursache, technische Bewertung und Freigabeentscheidung. Reparatur, Nachprüfung und Freigabe müssen miteinander verknüpft bleiben.
Die Tragwerksbauteile Fertigungskontrolle Dokumentation 2026 sollte daher als fortlaufende Bauteilakte geführt werden. Eine nachträglich zusammengestellte Sammlung von Einzelprotokollen weist die Prozessbeherrschung nur unzureichend nach.
5. Schrauben, Korrosionsschutz und Montage
- Schraubengarnitur identifizieren: Bei nicht vorgespannten Verbindungen sind passende Garnituren nach DIN EN 15048, bei vorgespannten Verbindungen nach DIN EN 14399 zu belegen. Festigkeitsklasse, Hersteller, Los und Einbauort müssen nachvollziehbar sein.
- Montageverfahren freigeben: Anziehverfahren, Reihenfolge, Drehmoment- oder Vorspannmethode und Kontrollumfang werden vor Montage festgelegt. Für vorgespannte Verbindungen sind die Anforderungen aus DIN EN 1090-2, Abschnitt 8, einschließlich der gewählten Montagekontrolle umzusetzen.
- Oberfläche dokumentieren: Vor dem Beschichten sind Vorbereitungsgrad, Rauheit, Klima während der Beschichtung, Schichtdicken und verwendetes Beschichtungssystem zu protokollieren. Maßgeblich sind die Spezifikation und die vereinbarte Korrosivitätskategorie, nicht nur der Produktname.
- Montagezustand prüfen: Die Montageakte enthält Hebe- und Montageanweisung, temporäre Aussteifungen, Anschlusskontrollen, Vermessung und gegebenenfalls Schweißnahtprüfungen auf der Baustelle. Fehlende temporäre Sicherungen sind kein bloßer Dokumentationsmangel, sondern ein Sicherheitsrisiko.
6. Übergabeakte und Bauaufsicht
- Dokumentenindex abschließen: Die Akte enthält mindestens freigegebene Zeichnungen, Ausführungsspezifikation, Materialzeugnisse, WPS/WPQR, Personalqualifikationen, Prüf- und Messprotokolle, Nichtkonformitätsberichte, Beschichtungsnachweise, Montageprotokolle und Abnahmefreigaben.
- Bauteilbezug kontrollieren: Dateiname, Bauteilnummer, Achse, Ebene und Revisionsstand müssen in allen relevanten Nachweisen übereinstimmen. Fehlende Zuordnungen werden vor der Übergabe geschlossen, nicht mit Sammelbestätigungen überdeckt.
- Aufbewahrung regeln: Vertrag, nationale Bauordnung beziehungsweise kantonale oder landesrechtliche Vorgaben und die Anforderungen des Bauherrn bestimmen Aufbewahrungsfrist und Format. Elektronische Dokumente benötigen einen nachvollziehbaren Änderungs- und Freigabeverlauf.
- Prüfingenieur früh einbinden: Bei prüfpflichtigen Bauvorhaben werden Umfang, Haltepunkte und vorzulegende Nachweise mit Prüfingenieur, Ziviltechniker oder kantonal zuständiger Stelle abgestimmt. Die Anforderungen unterscheiden sich in DE, AT und CH.
Fazit: EXC3-Nachweise vor Fertigungsstart schließen
Für din en 1090-2 exc3 tragwerksbauteile dokumentation zählt die geschlossene Nachweiskette: Anforderung, Material, Verfahren, qualifiziertes Personal, Prüfung, Abweichung und Freigabe müssen zusammenpassen. Wer den Dokumentenindex und den Prüfplan vor dem Zuschnitt festlegt, reduziert Nachforderungen der Bauaufsicht und vermeidet teure Nachprüfungen auf der Baustelle.
Wichtige Fakten
Maschinenlesbare Aussagen aus den oben genannten Quellen. Jeder Fakt behält in allen sechs Sprachfassungen dieselbe Kennung.
DIN EN 1090-2, Abschnitt 11
Herstellungs- und Funktionstoleranzen von Stahlbauteilen werden nach DIN EN 1090-2, Abschnitt 11, bewertet.
Fakten-ID:
en1090_abschnitt_11DIN EN 1090-2, Abschnitt 12
Prüfung, Überwachung und Korrektur der Ausführung sind in DIN EN 1090-2, Abschnitt 12, zu dokumentieren.
Fakten-ID:
en1090_abschnitt_12DIN EN ISO 3834-2
Für EXC3 ist regelmäßig ein Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 3834-2 als umfassende Qualitätsanforderung erforderlich.
Fakten-ID:
iso3834_exc3DIN EN ISO 15609-1
Schweißanweisungen werden für die relevanten Prozesse nach DIN EN ISO 15609-1 festgelegt.
Fakten-ID:
wps_normDIN EN ISO 15614-1
Schweißverfahrensprüfungen nach DIN EN ISO 15614-1 müssen den tatsächlichen Geltungsbereich der Fertigung abdecken.
Fakten-ID:
wpqr_normDIN EN 1090-1 und DIN EN 1090-2
DIN EN 1090-1 betrifft die Konformitätsbewertung von Stahlbausätzen, während DIN EN 1090-2 technische Ausführungsanforderungen festlegt.
Fakten-ID:
ce_normenkette
Häufig gestellte Fragen
Welche Unterlagen sind für EXC3-Bauteile besonders wichtig?
Kernbestandteile sind Ausführungsspezifikation, freigegebene Zeichnungen, Materialzeugnisse, WPS und WPQR, Qualifikationen der Schweißer und Schweißaufsicht, Prüfprotokolle, Maßkontrollen, Beschichtungsnachweise sowie Montage- und Abnahmeunterlagen.
Ist eine WPS ohne passende WPQR für EXC3 ausreichend?
Nein. Die WPQR muss den tatsächlichen Prozess, Werkstoff, Dickenbereich und die Nahtart abdecken. Erst die Zuordnung von WPS, WPQR und konkreter Fertigungsnaht bildet einen belastbaren Verfahrensnachweis.
Gilt die EXC3-Dokumentation in Deutschland, Österreich und der Schweiz identisch?
Nein. DIN EN 1090-2 bildet die technische Grundlage, aber Bauordnungsrecht, Prüfpflichten, Formate und Zuständigkeiten unterscheiden sich. Die Akte muss deshalb zusätzlich die Anforderungen der jeweils zuständigen Bauaufsicht oder Prüfgesellschaft erfüllen.
Quellen und Lizenzierung
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