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Dichtheitsprüfung Abwasserleitung nach DIN 1610: Ablauf und Grenzwerte
Die Dichtheitsprüfung Abwasserleitung DIN 1610 legt fest, wie neu verlegte Leitungen, Kanäle, Schächte und Inspektionsöffnungen geprüft werden. Entscheidend sind das gewählte Prüfmedium, der Prüfdruck, die Prüfzeit und ein nachvollziehbares Prüfprotokoll.
Dichtheitsprüfung Abwasserleitung nach DIN 1610: Ablauf und Grenzwerte
Bei der Dichtheitsprüfung Abwasserleitung DIN 1610 geht es nicht um eine Sichtkontrolle, sondern um den nachweisbaren Zustand eines fertig eingebauten Entwässerungssystems. Die Norm DIN EN 1610 beschreibt dafür Prüfungen mit Luft oder Wasser sowie Anforderungen an Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation. Für Auftraggeber und ausführende Firmen ist wichtig: Der konkrete Prüfungsumfang muss zusätzlich aus Leistungsverzeichnis, Vertrag und gegebenenfalls den Vorgaben des Netzbetreibers hervorgehen.
Was DIN EN 1610 tatsächlich regelt
DIN EN 1610 trägt den Titel Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen. Sie gilt für erdverlegte Leitungen und Kanäle sowie – mit eigenen Vorgaben – für Schächte und Inspektionsöffnungen. Die Regelungen zur Prüfung stehen im Abschnitt 13. Dort werden die allgemeine Vorbereitung, die Luftprüfung, die Wasserprüfung und die Prüfung von Schächten beziehungsweise Inspektionskammern behandelt.
Die Norm ist keine vollständige kommunale Entwässerungssatzung. In Deutschland können zusätzlich die Anforderungen des Netzbetreibers, der DWA-Regelwerke und der jeweiligen bauvertraglichen Spezifikation gelten. In Österreich und der Schweiz sind insbesondere nationale Ergänzungen, Ausschreibungstexte und Vorgaben des Kanalbetreibers zu prüfen. Eine bestandene Prüfung ersetzt daher nicht die fachgerechte Bettung, Verdichtung oder optische Inspektion.
Luft- oder Wasserprüfung: Welches Verfahren passt?
Die Luftprüfung ist auf der Baustelle häufig wirtschaftlicher, weil kein Wasser eingebracht und anschließend abgepumpt werden muss. DIN EN 1610, Abschnitt 13.2, unterscheidet die Prüfverfahren LA, LB, LC und LD. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Prüfdrücken und zulässigen Druckabfällen. Das Verfahren darf nicht frei nach Bequemlichkeit gewählt werden; maßgeblich sind die Ausschreibung und die Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.
Bei der Wasserprüfung nach Abschnitt 13.3 wird der Prüfabschnitt abgeriegelt und mit Wasser beaufschlagt. Der Prüfdruck wird am Rohrscheitel angesetzt. Als Regelwert gilt 10 kPa, also 100 mbar; am Tiefpunkt darf der Druck 50 kPa beziehungsweise 500 mbar nicht überschreiten. Der Prüfdruck ist deshalb bei starkem Höhenunterschied besonders sorgfältig zu kontrollieren.
Für Rohrleitungen beträgt die übliche Prüfzeit 30 Minuten. Während dieser Zeit darf der Druck nur durch eine begrenzte Wasserzugabe gehalten werden. Der maßgebliche Grenzwert für Leitungen liegt bei 0,15 l/m² benetzter innerer Oberfläche. Bei Schächten und Inspektionsöffnungen gelten gesonderte Bezugsflächen und Anforderungen; die Werte dürfen nicht pauschal von der Rohrleitung übernommen werden.
Vorbereitung des Prüfabschnitts
Fehler in der Vorbereitung führen häufig zu unklaren oder nicht verwertbaren Ergebnissen. Vor Beginn müssen Rohrenden, Abzweige, Hausanschlüsse und offene Zuläufe dauerhaft beziehungsweise prüftauglich verschlossen sein. Die Absperrelemente sind gegen Verschieben zu sichern. Bei der Wasserprüfung muss eingeschlossene Luft kontrolliert entweichen können.
Der Prüfabschnitt ist eindeutig festzulegen. Dazu gehören Anfangs- und Endschacht, Nennweite, Werkstoff, Haltungslänge und die zugehörigen Formstücke. Vor der Abnahmeprüfung sollte eine Reinigung erfolgen; bei größeren Leitungen ist außerdem eine optische Inspektion mit Kanal-TV sinnvoll. Festgestellte Schäden, Lageabweichungen oder sichtbare Undichtheiten sind vor der Dichtheitsprüfung zu bewerten und gegebenenfalls zu beseitigen.
Praktisch bewährt sich folgende Reihenfolge:
- Leitungsabschnitt vermessen und im Plan markieren.
- Verschlüsse, Druckmessgerät und Wasserzufuhr auf Eignung und Dichtheit prüfen.
- Prüfgerät kalibriert beziehungsweise mit gültigem Prüfmittelüberwachungsnachweis einsetzen.
- Leitungsabschnitt vorsichtig füllen oder beim Luftverfahren den vorgesehenen Vordruck aufbauen.
- Beruhigungs- und Vorbereitungszeit der gewählten Methode einhalten.
- Prüfzeit, Druckverlauf und gegebenenfalls nachgefüllte Wassermenge protokollieren.
Durchführung und typische Fehlerquellen
Bei der Wasserprüfung muss der Abschnitt ausreichend durchfeuchtet und entlüftet sein. Eine zu kurze Wartezeit kann zu einem scheinbar erhöhten Wasserverbrauch führen. Ebenso verfälschen undichte Prüfverschlüsse das Ergebnis. Deshalb ist vor der eigentlichen Messung zu kontrollieren, ob Druckabfall oder Wasserverlust aus der Leitung selbst oder aus dem Prüfaufbau stammen.
Bei der Luftprüfung ist der Druckverlust über die vorgeschriebene Zeit zu messen. Die zulässige Prüfzeit hängt vom gewählten Verfahren und vom Leitungsvolumen ab; hierfür sind die Tabellen in Abschnitt 13 beziehungsweise die zugehörigen normativen Tabellen maßgeblich. Eine pauschale Aussage wie zehn Minuten für jede Nennweite ist nicht normgerecht.
Bei Gefälleleitungen darf der Druck am unteren Ende nicht unbeabsichtigt über den Grenzwert steigen. Bei langen Haltungen sind Zwischenprüfungen oft sinnvoll, weil sich Fehler dann genauer eingrenzen lassen. Der Prüfabschnitt darf erst nach Freigabe beziehungsweise dokumentiertem Abschluss wieder geöffnet oder verfüllt werden.
Prüfprotokoll und Abnahme
Ein belastbares Protokoll muss mehr enthalten als das Ergebnis bestanden oder nicht bestanden. Erforderlich beziehungsweise für die Nachvollziehbarkeit wesentlich sind mindestens Norm und Prüfverfahren, Datum, Prüfer, Baustelle, Haltung, Nennweite, Werkstoff, Länge, Prüfmedium, Anfangs- und Enddruck, Prüfzeit sowie die nachgefüllte Wassermenge oder der gemessene Druckabfall.
Bei der Dichtheitsprüfung Abwasserleitung DIN 1610 sollte außerdem dokumentiert werden, welche Schächte, Anschlüsse und Verschlüsse zum Prüfabschnitt gehörten. Ergänzend gehören Lageplan, Fotodokumentation, TV-Befahrung und Nachweise zur Prüfmittelüberwachung in die Bauakte, sofern sie vertraglich oder durch den Netzbetreiber gefordert sind.
Ein nicht bestandenes Ergebnis ist mit Ursache und Korrekturmaßnahme zu behandeln. Nach einer Reparatur ist der betroffene Abschnitt erneut zu prüfen. Wird nur ein kurzer Teilabschnitt nachgeprüft, muss das Protokoll eindeutig ausweisen, ob damit die ursprüngliche Abnahmeprüfung vollständig ersetzt oder nur ergänzt wird.
Einordnung für Deutschland, Österreich und die Schweiz
In Deutschland wird DIN EN 1610 häufig zusammen mit DWA-A 139 für den Einbau und die Prüfung von Abwasserleitungen verwendet. Die DWA-Regelwerke sind jedoch nicht automatisch Bestandteil jedes Bauvertrags. Ihre Verbindlichkeit ergibt sich aus Ausschreibung, Vertrag, Satzung oder einer ausdrücklichen technischen Vorgabe.
In Österreich und der Schweiz können ÖNORM- beziehungsweise SN-Regelungen und kommunale Vorgaben zusätzliche Anforderungen an Prüfintervalle, Nachweise oder die Zuständigkeit des Prüfers enthalten. Vor der Beauftragung ist deshalb zu klären, ob eine Eigenprüfung genügt oder ein unabhängiger, zugelassener Prüfer verlangt wird.
Fazit: Prüfung als dokumentierter Abnahmenachweis
Die Dichtheitsprüfung Abwasserleitung DIN 1610 ist nur dann aussagekräftig, wenn Prüfabschnitt, Verfahren und Randbedingungen eindeutig festgelegt sind. Für die Praxis sind Abschnitt 13, die Tabellen zum gewählten Luftverfahren, der Wassergrenzwert von 0,15 l/m² für Rohrleitungen und ein vollständiges Prüfprotokoll die zentralen Bezugspunkte. Vertragliche und kommunale Zusatzanforderungen bleiben daneben verbindlich.
Wichtige Fakten
Maschinenlesbare Aussagen aus den oben genannten Quellen. Jeder Fakt behält in allen sechs Sprachfassungen dieselbe Kennung.
Abschnitt 13
Die Anforderungen an die Prüfung von Abwasserleitungen, Kanälen, Schächten und Inspektionsöffnungen stehen in DIN EN 1610 im Abschnitt 13.
Fakten-ID:
pruefabschnitt_1310 kPa am Rohrscheitel; maximal 50 kPa am Tiefpunkt
Bei der Wasserprüfung gilt als Regelwert 10 kPa am Rohrscheitel, während der Druck am Tiefpunkt 50 kPa nicht überschreiten darf.
Fakten-ID:
wasser_pruefdruck0,15 l/m²
Für Rohrleitungen ist bei der Wasserprüfung eine Wasserzugabe von höchstens 0,15 l/m² benetzter innerer Oberfläche anzusetzen.
Fakten-ID:
wasserverlust_rohrleitung30 Minuten
Die übliche Prüfzeit für die Wasserprüfung einer Rohrleitung beträgt 30 Minuten.
Fakten-ID:
wasser_pruefzeitLA, LB, LC und LD
DIN EN 1610 Abschnitt 13.2 unterscheidet bei der Luftprüfung die Verfahren LA, LB, LC und LD.
Fakten-ID:
luftverfahren
Häufig gestellte Fragen
Welcher Prüfdruck gilt bei der Wasserprüfung nach DIN EN 1610?
Für Rohrleitungen wird üblicherweise ein Prüfdruck von 10 kPa beziehungsweise 100 mbar am Rohrscheitel angesetzt. Am Tiefpunkt darf der Druck 50 kPa beziehungsweise 500 mbar nicht überschreiten.
Wie viel Wasser darf eine geprüfte Abwasserleitung verlieren?
Für Rohrleitungen nennt DIN EN 1610 bei der Wasserprüfung einen Grenzwert von 0,15 l/m² benetzter innerer Oberfläche. Für Schächte und Inspektionsöffnungen gelten gesonderte Anforderungen.
Ist eine Luftprüfung genauso zulässig wie eine Wasserprüfung?
Ja, DIN EN 1610 Abschnitt 13 sieht Luft- und Wasserprüfungen vor. Welches Verfahren anzuwenden ist, ergibt sich aus Ausschreibung, Vertrag und gegebenenfalls den Vorgaben des Netzbetreibers.